Glossary
Was ist DDP?
DDP ist ein Incoterm, bei dem der Verkäufer volle Verantwortung für Fracht, Versicherung, Export-/Importzoll, Abgaben und Zustellung zur benannten Käuferadresse trägt. Käufer unterschreibt nur.
Was DDP wirklich bedeutet
DDP — Delivered Duty Paid ist die käuferfreundlichste der elf Incoterms-Klauseln. Der Verkäufer trägt jede Kostenposition und jede Formalität bis zur vereinbarten Lieferadresse: Exportabfertigung, Hauptlauf, Versicherung, Terminalkosten am Bestimmungsort, Einfuhrabfertigung, Zoll und die Zustellung bis an Ihre Rampe. Sie öffnen das Tor, unterschreiben den Ablieferbeleg — fertig.
Genau darin liegt auch das Problem. Alles, was der Verkäufer trägt, hat er vorher in den Stückpreis eingerechnet, und Sie sehen die einzelnen Positionen nie.
Wer zahlt was — DDP im Vergleich
| Kostenposition | FOB | CIF | DDP |
|---|---|---|---|
| Verpackung und Exportabfertigung | Verkäufer | Verkäufer | Verkäufer |
| Vorlauf zum Verschiffungshafen | Verkäufer | Verkäufer | Verkäufer |
| Seefracht | Käufer | Verkäufer | Verkäufer |
| Transportversicherung | Käufer | Verkäufer (Mindestdeckung) | Verkäufer |
| Terminal Handling am Zielhafen | Käufer | Käufer | Verkäufer |
| Einfuhranmeldung | Käufer | Käufer | Verkäufer |
| Zoll | Käufer | Käufer | Verkäufer |
| Einfuhrumsatzsteuer | Käufer | Käufer | Verkäufer (sofern nicht ausgenommen) |
| Nachlauf bis zur Rampe | Käufer | Käufer | Verkäufer |
| Gefahrübergang | Verladung an Bord | Verladung an Bord | Ablieferung bei Ihnen |
Beachten Sie die letzte Zeile: DDP ist die einzige der drei Klauseln, bei der Sie das Transportrisiko überhaupt nicht tragen. Geht der Container über Bord, ist das nicht Ihr Problem — bei CIF dagegen schon, obwohl der Verkäufer die Fracht bezahlt hat.
Aufschlüsselung eines DDP-Preises
Ein Lieferant nennt Ihnen 9,40 $ pro Stück DDP frei Haus für 1.000 Stück. Was steckt darin? Rechnen wir dieselbe Sendung als FOB durch:
- FOB-Warenwert, 1.000 × 6,00 $: 6.000 $
- Seefracht und Zuschläge (LCL, 2,4 CBM): 840 $
- Transportversicherung 0,3 %: 21 $
- Terminal Handling, CFS, Dokumente am Zielhafen: 310 $
- Zoll 4,2 % auf 6.861 $: 288 $
- Einfuhrumsatzsteuer 19 % auf 7.149 $: 1.358 $
- Verzollungsgebühr: 160 $
- Nachlauf zur Rampe: 190 $
- Summe echte Landed Cost: 9.167 $ → 9,17 $ pro Stück
Der DDP-Preis von 9,40 $ enthält also rund 0,23 $ pro Stück Aufschlag — etwa 2,5 %. Das ist ein fairer Preis für die Übernahme des gesamten Aufwands. Liegt der Aufschlag bei 15 %, zahlen Sie eine Bequemlichkeitsprämie, die Sie bei wiederkehrenden Bestellungen nicht rechtfertigen können.
Der Steuerpunkt, den fast alle übersehen
Die Einfuhrumsatzsteuer ist im obigen Beispiel mit 1.358 $ der zweitgrößte Posten nach der Ware selbst. Als vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen bekommen Sie diesen Betrag zurück — aber nur, wenn Sie in der Einfuhranmeldung als Anmelder geführt sind.
Bei einem DDP-Angebot verzollt der Lieferant. Steht sein Spediteur auf der Anmeldung, ist Ihr Vorsteuerabzug verloren. Umgerechnet sind das 1,36 $ pro Stück, die Sie bei FOB oder CIF zurückgeholt hätten. Der DDP-Preis war also nicht 2,5 % teurer, sondern effektiv rund 17 %.
Deshalb schreiben erfahrene Importeure in europäische DDP-Verträge ausdrücklich: Verzollung auf den Namen des Käufers, Übermittlung des Einfuhrabgabenbescheids innerhalb von zehn Tagen. Ohne diese Klausel ist ein DDP-Angebot in der EU fast nie wirtschaftlich.
DDP, DAP und DDP-exklusive-Steuer
- DAP (Delivered at Place): Verkäufer liefert bis zur Adresse, aber Sie verzollen und zahlen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Für EU-Importeure meist die bessere Wahl als DDP, weil der Vorsteuerabzug erhalten bleibt.
- DDP: Verkäufer trägt alles, auch die Steuer.
- „DDP exclusive VAT" oder mDDP: keine offizielle Klausel. Der Verkäufer zahlt Fracht und Zoll, nicht aber die Einfuhrumsatzsteuer. Mehr dazu unter mDDP.
Typische Fallen bei DDP
Unterbewertete Anmeldung. Damit der Festpreis aufgeht, meldet der Spediteur des Verkäufers gern einen zu niedrigen Zollwert an. Rechtlich haftet, wer wirtschaftlich von der Einfuhr profitiert — Ihre Rechnung, Ihre Zahlung, Ihr Lager. Der Lieferant sitzt außerhalb der Reichweite Ihrer Zollbehörde.
„Bis zum Hafen" statt bis zur Rampe. Prüfen Sie den benannten Ort. DDP Hamburg kann den Hafen meinen, nicht Ihr Lager in Kassel. Schreiben Sie die vollständige Adresse in den Vertrag: DDP Musterstraße 1, 34117 Kassel, Incoterms 2020.
Keine Kostentransparenz für die nächste Runde. Nach drei DDP-Bestellungen wissen Sie immer noch nicht, was Ihre Fracht kostet. Damit können Sie weder Raten verhandeln noch beurteilen, ob ein Wechsel zu FOB sich lohnt.
Verzögerungen bei der Abfertigung sind Ihr Umsatzproblem. Der Verkäufer trägt die Kosten der Verzollung, aber nicht Ihren Lieferverzug gegenüber Ihren Kunden.
Wann DDP die richtige Wahl ist
- Erste Einfuhr ohne Spediteur, Zollagent oder EORI-Nummer
- Muster und Testbestellungen unter etwa 2.000 $
- Sendungen, bei denen null Aufwand wichtiger ist als 3-5 Punkte Marge
- Länder mit besonders komplexer Einfuhr, in denen Sie keine Präsenz haben
Wann Sie wechseln sollten
Sobald Sie dieselbe Ware zum dritten Mal bestellen, holen Sie parallel ein FOB- und ein CIF-Angebot ein und rechnen beide mit dem Landed-Cost-Rechner durch. In der Praxis liegt die echte Landed Cost bei FOB fünf bis zwölf Prozent unter dem DDP-Preis — und der Vorsteuerabzug kommt zurück.
Zur Einordnung im Gesamtbild: FOB vs CIF vs DDP.
Rechnen Sie Ihre eigene Sendung durch
Lieferantenpreis, Kartonmaße, Frachtrate und Zollsatz eingeben — Sie sehen die Landed Cost pro Stück und was dieselbe Bestellung als FOB-, CIF- oder DDP-Angebot kostet.
Voreingestellter Startwert. Durch den realen Zollsatz aus der HS-Code-Recherche im Zielland ersetzen (US: HTS, EU: TARIC, UK: HMRC).
Lieferantenpreis und Fracht in USD eingeben. Die Ergebnisse werden mit dem unten angegebenen festen Referenzkurs in Ihre Anzeigewährung umgerechnet.
Verwendeter Kurs: 1 USD = 1 USD (Referenztabelle, 2026-09-01). Fester Stand — vor der Bestellung den aktuellen Kurs bei Ihrer Bank prüfen.
Empfohlener VK (pro Stück)
Dieselbe Sendung, drei Lieferbedingungen. Der Endbetrag ändert sich kaum; was sich ändert, ist wie viel auf der Lieferantenrechnung steht und wie viel später als Fracht, Zoll und Steuer bei Ihnen landet.
| Incoterm | Lieferant berechnet Ihnen | Sie zahlen zusätzlich | Landed Cost gesamt | Pro Stück |
|---|---|---|---|---|
| FOBWare an Bord im Verschiffungshafen. Fracht, Versicherung, Zoll, Steuer und Verzollung tragen Sie. | $390.00 | $185.37 | $575.37 | $115.07 |
| CIFWare, Seefracht und Versicherung bis Bestimmungshafen. Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Verzollung bleiben bei Ihnen. | $425.37 | $150.00 | $575.37 | $115.07 |
| DDPFrei Haus geliefert, Zoll und Steuer vom Lieferanten bezahlt. Bei Ankunft fällt nichts mehr an. | $575.37 | $0.00 | $575.37 | $115.07 |
Die Einfuhrumsatzsteuer ist für vorsteuerabzugsberechtigte Firmen in der Regel erstattungsfähig — ein Liquiditäts-, kein Margenkostenposten.
Häufige Fragen
Was bedeutet DDP im Versand?
DDP steht für Delivered Duty Paid (geliefert verzollt). Der Verkäufer organisiert und bezahlt alles von seiner Fabrik bis zu Ihrer benannten Lieferadresse: Ausfuhrabfertigung, Hauptlauf, Einfuhrzollanmeldung, Zoll, Steuern und Endzustellung. Der Käufer entlädt nur. Das Risiko bleibt beim Verkäufer, bis das Fahrzeug entladebereit eintrifft.
Ist DDP günstiger als FOB?
Manchmal, um 5 bis 10 %, wenn der Lieferant echte Fracht- und Konsolidierungsvorteile hat. Darüber hinaus entsteht der Abstand meist durch einen niedriger angemeldeten Zollwert als tatsächlich bezahlt. Berechnen Sie zuerst Ihre eigene Landed-Cost auf FOB-Basis und vergleichen Sie: Liegt DDP um mehr als etwa 10 % darunter, lassen Sie sich die Zollanmeldung zeigen.
Was ist im DDP-Preis enthalten?
Ware, Exportverpackung, Vorlauf zum Abgangshafen, Ausfuhrabfertigung, Terminalgebühren im Abgangshafen, Hauptlauf, Terminalgebühren am Bestimmungsort, Zollabfertigung, Einfuhrzoll und handelspolitische Zusatzzölle, Einfuhrabgaben und Zustellung bis zu Ihrer Tür. Nicht automatisch enthalten: Transportversicherung und Entladung am Bestimmungsort.
Wer ist bei DDP der Importeur (Importer of Record)?
Rechtlich der Verkäufer, weil DDP ihm die Einfuhrabfertigung zuweist. In der Praxis können sich die meisten ausländischen Lieferanten nicht als Importeur registrieren, daher läuft die Anmeldung über die Nummer eines Spediteurs oder Dritten. Ihr Unternehmen taucht meist nirgends in der Anmeldung auf: keine Zollunterlagen, keine Erstattungsansprüche, kein Vorsteuerabzug.
Kann ich bei DDP die Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer abziehen?
In der Regel nein. Einfuhrumsatzsteuer kann nur die Partei abziehen, die als Importeur im Zolldokument steht. Bei DDP ist das der Verkäufer oder sein Agent, sodass die von ihm gezahlte Steuer Teil Ihrer Warenkosten wird statt abziehbarer Vorsteuer. Nutzen Sie DAP oder DDP ohne Umsatzsteuer, um Importeur zu bleiben und den Abzug zu behalten.
Ist DDP für den Käufer riskant?
Das Transportrisiko ist gering, weil der Verkäufer es bis zu Ihrer Tür trägt. Das Zollrisiko ist hoch. Wird in der Anmeldung ein zu niedriger Wert erklärt, führt die Papierspur aus Ihren Bestellungen und Zahlungen trotzdem zu Ihrer Ware, und Nacherhebung plus Strafen können Sie treffen, obwohl ein Dritter die Anmeldung abgegeben hat.
Was ist der Unterschied zwischen DDP und DAP?
DAP (Delivered at Place) ist identisch mit DDP, nur dass Einfuhrabfertigung, Zoll und Einfuhrabgaben beim Käufer liegen. Bei DAP bleiben Sie Importeur, behalten Ihre Zollunterlagen und den Vorsteuerabzug, während der Verkäufer weiterhin Fracht und Zustellung übernimmt. Für die meisten umsatzsteuerlich registrierten Importeure ist DAP die bessere Standardwahl.
Wie prüfe ich, ob ein DDP-Angebot regelkonform ist?
Verlangen Sie vor der Zahlung vier Dinge: die Nummer der Zollanmeldung, eine Kopie der Anmeldung mit dem erklärten Wert, den verwendeten HS-Code und den Namen des Importeurs. Eine regelkonforme DDP-Sendung liefert alle vier auf Anfrage. Eine Sendung, die auf Unterbewertung beruht, liefert keines davon.
Verwandte Seiten