2026-04-15 · data
LCL Seefracht berechnen: Kosten pro CBM realistisch kalkulieren
Die Frachtrate ist die halbe Miete. Die andere Hälfte steht auf der Rechnung aus dem Bestimmungshafen — und sie ist größer.
LCL (Less than Container Load), im Deutschen Sammelcontainer oder Stückgut-Seefracht, ist der Standard für jede Sendung unter rund 10 CBM. Das Angebot sieht harmlos aus: 35 bis 65 USD pro CBM auf der Strecke Shanghai nach Hamburg. Dann trifft die Rechnung aus dem Bestimmungshafen ein, und der echte Preis zeigt sich. Wer LCL-Seefracht berechnen will, muss deshalb zwei Blöcke kalkulieren: die Frachtrate selbst und alles, was passiert, nachdem der Sammelcontainer geöffnet wurde.
→ Direkt berechnen: LCL Seefracht Rechner
Schritt 1: Volumen in CBM berechnen
CBM (Kubikmeter) ist die Abrechnungseinheit der Seefracht. Gemessen wird das Außenmaß des versandfertigen Kartons, nicht die Produktgröße:
- Länge (m) × Breite (m) × Höhe (m) = CBM pro Karton
- CBM pro Karton × Anzahl der Kartons = Gesamtvolumen der Sendung
Beispiel: 40 Kartons mit je 60 × 40 × 50 cm. Ein Karton misst 0,60 × 0,40 × 0,50 = 0,12 CBM. Die Sendung hat damit 40 × 0,12 = 4,8 CBM. Steht die Ware auf Paletten, zählt die Palettenhöhe mit — der Konsolidierer bezahlt schließlich den Platz im Container, nicht Ihr Produkt.
Schritt 2: Frachttonne und W/M-Rate verstehen
Reedereien und Konsolidierer rechnen nach der Frachttonne. Dabei gilt 1 CBM = 1.000 kg, und in Rechnung gestellt wird immer der höhere der beiden Werte. Genau das bedeutet eine W/M-Rate (weight or measurement) im Angebot:
- 4,8 CBM mit 3.100 kg ergibt 3,1 gegen 4,8 — abgerechnet werden 4,8 Einheiten
- Dieselben 4,8 CBM mit 6.200 kg ergeben 6,2 gegen 4,8 — abgerechnet werden 6,2 Einheiten
Leichte, sperrige Ware zahlt nach Volumen, schwere Ware nach Gewicht. Sie können sich das nicht aussuchen: Der Carrier rechnet beides und stellt den größeren Wert in Rechnung. Zusätzlich setzt fast jeder Konsolidierer eine Mindestabrechnung von 1 CBM an. Eine Sendung mit 0,3 CBM kostet deshalb den Preis für einen vollen Kubikmeter.
Schritt 3: Beispielrechnung für 4,8 CBM Shanghai nach Hamburg
Warenwert 18.000 USD, 4,8 CBM, 3.100 kg, Frachtrate 50 USD pro CBM auf W/M-Basis:
- Seefracht, 4,8 × 50 USD: 240 USD
- Ursprungskosten (THC Shanghai, B/L-Gebühr, Exportabfertigung): 150 USD
- Terminal Handling Charge Hamburg, rund 40 USD pro CBM: 192 USD
- CFS-Gebühr für das Entladen des Sammelcontainers, rund 30 USD pro CBM: 144 USD
- Delivery Order (D/O) und Dokumentenpauschale: 95 USD
- ISPS-Sicherheitszuschlag: 35 USD
- Zollabfertigung durch den Spediteur: 110 USD
- Lagergeld nach drei Freitagen, zwei Tage à 45 USD: 90 USD
- Nachlauf per Lkw, 120 km ins Binnenland: 420 USD
Summe der Logistikkosten: 1.476 USD. Im Angebot standen 240 USD. Die ehrliche Zahl lautet also 1.476 USD geteilt durch 4,8 CBM = 308 USD pro CBM — mehr als das Sechsfache der Frachtrate.
Schritt 4: Zollwert und Einfuhrumsatzsteuer
Der Zollwert ist in der EU der CIF-Wert an der Außengrenze: Warenwert plus Fracht plus Versicherung bis zum ersten EU-Hafen. Kosten, die erst nach der Ankunft entstehen, gehören nicht hinein, wenn sie auf der Rechnung getrennt ausgewiesen sind.
- Warenwert 18.000 USD + Seefracht 240 USD + Ursprungskosten 150 USD + Versicherung 60 USD = 18.450 USD Zollwert
- Zollsatz 4,7 Prozent: 867 USD Zoll
- Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer = Zollwert + Zoll + Beförderungskosten bis zum ersten inländischen Bestimmungsort
- 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer auf rund 19.900 USD: 3.781 USD
Die Einfuhrumsatzsteuer holen vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen über die Umsatzsteuervoranmeldung zurück, sie bindet aber für vier bis zehn Wochen Liquidität. Der Zoll dagegen ist endgültig und geht direkt von Ihrer Marge ab.
Warum die Kosten am Zielort explodieren
Eine LCL-Sendung läuft am Bestimmungsort durch ein Container Freight Station (CFS) — ein Lager, in dem Sammelcontainer geöffnet und die Ladung nach Empfängern sortiert wird. Jeder Handgriff dort erzeugt eine Position auf der Rechnung, und die CFS-Betreiber im Hafen haben faktisch eine Monopolstellung. Erschwerend kommt hinzu, dass mehrere große Posten pauschal je Sendung anfallen und nicht pro CBM. Genau deshalb trifft es kleine Sendungen am härtesten.
Die fünf Positionen, die Importeure regelmäßig überraschen:
- Terminal Handling Charge (THC) am Zielhafen, 30 bis 60 USD pro CBM, für das Löschen des Containers, in dem Ihre Ware zufällig steht. Steht praktisch nie im Frachtangebot.
- CFS-Gebühr, 25 bis 50 USD pro CBM, für das Öffnen, Sortieren und Bereitstellen der Ladung. In Häfen mit starken Gewerkschaften deutlich höher.
- Delivery Order, ISPS und Zollabfertigung, zusammen 200 bis 350 USD pauschal je Sendung — bei kleinen Volumina der teuerste Posten je CBM.
- Standgeld und Lagergeld nach den drei kostenlosen Tagen im CFS, 40 bis 95 USD pro Tag. Ein langsamer Zollagent kostet schnell 400 USD.
- Nachlauf per Lkw, 2,50 bis 4,00 EUR pro Kilometer plus Wartezeit. 120 km ins Binnenland liegen selten unter 350 EUR.
Faustregel: echte Kosten = Angebot × 5 bis 7
Unter 10 CBM deckt die genannte Frachtrate nur etwa 15 bis 20 Prozent der tatsächlichen Kosten. Rechnen Sie mit Faktor 5 bei kurzem Nachlauf und mit Faktor 7, wenn die Ware 200 km oder weiter ins Binnenland muss. Für die Kalkulation Ihres Verkaufspreises ist diese Zahl entscheidend, nicht der Preis im Angebot.
Ab wann lohnt sich FCL
Ein 20-Fuß-Container fasst rund 28 CBM und kostet Shanghai nach Hamburg je nach Marktlage 1.800 bis 2.600 USD frei Haus, also 65 bis 90 USD pro CBM. Der Break-even liegt dort, wo beide Gesamtkosten gleich sind:
- Break-even-CBM = FCL-Gesamtkosten / (LCL-Rate pro CBM × Faktor)
- 2.200 USD / (50 USD × 5) = 8,8 CBM
Ab etwa 9 CBM ist der eigene 20-Fuß-Container günstiger. Sie sparen zusätzlich die komplette CFS-Bearbeitung, senken das Bruchrisiko beim Umschlag mit fremder Ladung und gewinnen mehrere Tage Laufzeit.
So verhandeln Sie eine LCL-Buchung richtig
- Lassen Sie sich die Destination Charges schriftlich vor der Buchung bestätigen, aufgeschlüsselt in Beträge pro CBM und Pauschalen je Sendung.
- Fragen Sie ausdrücklich nach der Mindestabrechnung und danach, ob die Rate nach W/M oder rein nach Volumen kalkuliert wird.
- Verlangen Sie eine Pauschale für die Zollabfertigung statt gewichtsabhängiger Sätze. Bei schwerer Ware macht das schnell 200 USD Unterschied.
- Wählen Sie ein CFS in der Nähe Ihres Lagers. Jeder gesparte Kilometer Nachlauf zählt bei kleinen Sendungen doppelt.
- Ein Angebot ohne genannte Zielkosten ist kein Angebot, sondern eine Anzahlung auf eine zweite Rechnung.
Rechnen Sie Ihre nächste Sendung einmal als LCL und einmal als FCL durch: Unter /de/calculator/b2b-margin-calculator/ sehen Sie den Landed Cost beider Varianten nebeneinander.
Eigene LCL-Landed-Cost berechnen
Kartonmaße, Menge, Frachtrate und Zollsatz eingeben. Der Rechner ermittelt CBM, Frachtgewicht und Landed Cost pro Stück und vergleicht dieselbe Bestellung als FOB-, CIF- und DDP-Angebot.
Voreingestellter Startwert. Durch den realen Zollsatz aus der HS-Code-Recherche im Zielland ersetzen (US: HTS, EU: TARIC, UK: HMRC).
Lieferantenpreis und Fracht in USD eingeben. Die Ergebnisse werden mit dem unten angegebenen festen Referenzkurs in Ihre Anzeigewährung umgerechnet.
Verwendeter Kurs: 1 USD = 1 USD (Referenztabelle, 2026-09-01). Fester Stand — vor der Bestellung den aktuellen Kurs bei Ihrer Bank prüfen.
Empfohlener VK (pro Stück)
Dieselbe Sendung, drei Lieferbedingungen. Der Endbetrag ändert sich kaum; was sich ändert, ist wie viel auf der Lieferantenrechnung steht und wie viel später als Fracht, Zoll und Steuer bei Ihnen landet.
| Incoterm | Lieferant berechnet Ihnen | Sie zahlen zusätzlich | Landed Cost gesamt | Pro Stück |
|---|---|---|---|---|
| FOBWare an Bord im Verschiffungshafen. Fracht, Versicherung, Zoll, Steuer und Verzollung tragen Sie. | $390.00 | $185.37 | $575.37 | $115.07 |
| CIFWare, Seefracht und Versicherung bis Bestimmungshafen. Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Verzollung bleiben bei Ihnen. | $425.37 | $150.00 | $575.37 | $115.07 |
| DDPFrei Haus geliefert, Zoll und Steuer vom Lieferanten bezahlt. Bei Ankunft fällt nichts mehr an. | $575.37 | $0.00 | $575.37 | $115.07 |
Die Einfuhrumsatzsteuer ist für vorsteuerabzugsberechtigte Firmen in der Regel erstattungsfähig — ein Liquiditäts-, kein Margenkostenposten.
Häufige Fragen
Wie berechne ich das Volumen meiner LCL-Sendung in CBM?
Messen Sie jeden versandfertigen Karton in Metern und multiplizieren Sie Länge mal Breite mal Höhe. Das Ergebnis multiplizieren Sie mit der Anzahl der Kartons. Ein Karton mit 60 × 40 × 50 cm ergibt 0,60 × 0,40 × 0,50 = 0,12 CBM, vierzig Stück ergeben 4,8 CBM. Maßgeblich ist immer das Außenmaß inklusive Palettenhöhe, denn abgerechnet wird der Platz im Container, nicht die Produktgröße.
Was bedeutet die Regel 1 CBM = 1.000 kg?
Konsolidierer rechnen nach der Frachttonne. Dabei wird ein Kubikmeter einer Tonne Gewicht gleichgesetzt. Der Carrier vergleicht Ihr Gesamtvolumen in CBM mit Ihrem Gesamtgewicht in Tonnen und stellt den höheren Wert in Rechnung. Eine Sendung mit 4,8 CBM und 3.100 kg wird als 4,8 Einheiten abgerechnet, dieselben 4,8 CBM mit 6.200 kg dagegen als 6,2 Einheiten. Schwere Ware zahlt nach Gewicht, sperrige nach Volumen.
Was ist eine W/M-Rate in der Seefracht?
W/M steht für weight or measurement, also Gewicht oder Maß. Eine Rate von 50 USD pro W/M bedeutet, dass der Carrier diesen Satz auf den größeren der beiden Werte anwendet, auf Ihre Kubikmeter oder auf Ihre Tonnen. Sie haben dabei kein Wahlrecht. Steht im Angebot nur ein Preis pro CBM ohne den Zusatz W/M, fragen Sie nach, denn bei dichter Ware kann die Rechnung 30 Prozent über dem gemessenen Volumen liegen.
Gibt es ein Mindestvolumen bei LCL-Sendungen?
Ja. Fast jeder Konsolidierer setzt eine Mindestabrechnung von 1 CBM beziehungsweise einer Frachttonne pro Konnossement an. Eine Sendung mit 0,3 CBM wird deshalb wie ein voller Kubikmeter berechnet. Auf manchen Relationen liegt die Untergrenze sogar bei 2 CBM. Pauschalen wie Delivery Order, ISPS-Zuschlag und Zollabfertigung fallen unabhängig von der Größe in voller Höhe an — deshalb sind sehr kleine LCL-Sendungen pro CBM besonders teuer.
Welche Kosten am Bestimmungshafen kommen bei LCL auf mich zu?
Rechnen Sie mit der Terminal Handling Charge (THC) des Zielhafens, der CFS-Gebühr für das Entladen und Sortieren des Sammelcontainers, einer Delivery-Order-Gebühr (D/O), dem ISPS-Sicherheitszuschlag, der Zollabfertigung durch Ihren Spediteur sowie dem Nachlauf per Lkw. Nach etwa drei Freitagen kommt Lagergeld hinzu. Zusammen erreichen diese Positionen bei Sendungen unter 10 CBM regelmäßig das Vier- bis Sechsfache der reinen Seefracht.
Was kostet LCL-Seefracht tatsächlich pro CBM?
Die Frachtrate von 35 bis 65 USD pro CBM ist nur der sichtbare Teil. In der Beispielrechnung auf dieser Seite endete eine Sendung mit 4,8 CBM, angeboten zu 50 USD pro CBM, bei 1.476 USD Logistikkosten, also 308 USD pro CBM. Für die Planung gilt: Multiplizieren Sie die Frachtrate mit fünf bei kurzem Nachlauf und mit sieben bei langem Binnentransport, bevor Sie Ihren Verkaufspreis festlegen.
Ab welchem Volumen ist FCL günstiger als LCL?
Teilen Sie die Gesamtkosten eines 20-Fuß-Containers durch Ihre effektiven LCL-Kosten pro CBM. Ein 20-Fuß-Container fasst rund 28 CBM und kostet auf der Strecke Shanghai nach Hamburg 1.800 bis 2.600 USD. Gegen effektive LCL-Kosten von 250 USD pro CBM liegt der Break-even bei etwa 9 CBM. Darüber ist der eigene Container günstiger, schneller und vermeidet jedes Bruchrisiko im CFS.
Wie wird der Zollwert bei einer LCL-Einfuhr ermittelt?
In der EU ist der Zollwert der CIF-Wert an der Außengrenze: Kaufpreis der Ware plus Seefracht plus Versicherung bis zum ersten EU-Hafen. Kosten nach der Ankunft, etwa Nachlauf oder Lagergeld im Inland, bleiben außen vor, sofern sie auf der Rechnung getrennt ausgewiesen sind. Auf den Zollwert wird der Zollsatz erhoben, danach folgt die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent auf Zollwert plus Zoll plus Inlandsfracht.
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